11. August 2026

Scope-2-Bilanzierung im Wandel

Was die GHG-Protocol-Konsultation zeigt

Wer als Unternehmen seinen CO2-Fussabdruck berechnet, kommt an Scope 2 nicht vorbei. Scope 2 erfasst die indirekten Emissionen aus dem Strombezug – also den Strom, den ein Unternehmen kauft, aber nicht selbst erzeugt. 

Wie dieser Strom in der Klimabilanz bewertet wird, ist seit Jahren umstritten. Das GHG Protocol, der weltweit meistgenutzte Standard für Treibhausgasbilanzierung, überarbeitet derzeit seine Scope-2-Regeln. Im Zentrum steht die Frage: Wie glaubwürdig ist der Nachweis, dass ein Unternehmen wirklich grünen Strom bezieht? 

Dazu hat das GHG Protocol eine öffentliche Konsultation durchgeführt. Knapp 1’100 Rückmeldungen aus 56 Ländern sind eingegangen. Die Ergebnisse zeigen: Die vorgeschlagenen Änderungen sind umstritten. 

Um welche Vorschläge geht es? 

Heute können Unternehmen grünen Strom über Zertifikate nachweisen – sogenannte Energy Attribute Certificates (EACs). Diese Zertifikate belegen Herkunft, Menge und Erzeugungsart des Stroms und werden von Produzenten erneuerbarer Energie ausgestellt. Bisher müssen EACs nur im selben Jahr wie der Stromverbrauch ausgestellt worden sein. Das GHG Protocol will die Anforderungen verschärfen: 

  • Stündliches Matching: Zertifikate sollen künftig nicht nur im selben Jahr, sondern in derselben Stunde wie der Verbrauch ausgestellt sein. Der Grünstromnachweis soll dadurch zeitlich präziser und somit glaubwürdiger werden. 
  • Deliverability: Zertifikate sollen nur noch aus Regionen anerkannt werden, aus denen der Strom physisch geliefert werden kann. Das Ziel ist eine engere räumliche Verbindung zwischen Erzeugung und Verbrauch. 
  • Übergangsregelungen: Für bestehende Verträge schlägt das GHG Protocol zwei Alternativen vor. Die Legacy Clause erlaubt es, laufende Zertifikatsverträge für eine Übergangszeit weiterzuführen, auch wenn sie die neuen Anforderungen noch nicht erfüllen. Das schützt Unternehmen, die bereits langfristige Verträge abgeschlossen haben. Das Uniform Effective Date setzt dagegen einen gemeinsamen Stichtag. Ab diesem Datum gelten die neuen Regeln für alle Unternehmen gleichzeitig, ohne Ausnahme für bestehende Verträge. 

Viel Widerstand, aber auch Zustimmung  

Von 909 Antwortenden lehnen 70 Prozent das verpflichtende stündliche Matching ab oder unterstützen es kaum. Nur 22 Prozent sprechen sich dafür aus, 7 Prozent äussern sich neutral. Besonders deutlich ist die Skepsis bei Unternehmen: 82 Prozent der 429 Unternehmensantworten zeigen keine oder geringe Unterstützung. 

Auch die Deliverability-Anforderung kommt nicht gut an. 59 Prozent von 875 Antwortenden lehnen sie ab oder unterstützen sie kaum. 30 Prozent befürworten sie, 11 Prozent äussern sich neutral. Die Kritik ist konkret: höhere Kosten und Verwaltungsaufwand, fehlende Marktinfrastruktur in einzelnen Regionen, mögliche Rückgänge bei der freiwilligen Grünstrombeschaffung und Einschränkungen für langfristige Stromlieferverträge (PPAs). 

Bei den Übergangsregelungen ist das Bild klarer. Die Legacy Clause erhält mit 90 Prozent von 801 Antwortenden grossen Zuspruch. Das Uniform Effective Date bevorzugen nur 46 Antwortende. 

Wie geht es weiter? 

Das Feedback aus der Konsultation fliesst direkt in die nächste Überarbeitungsphase ein. Die TechnicalWorking Group (TWG) und das Independent Standards Board (ISB) des GHG Protocol werden die Rückmeldungen auswerten und auf dieser Basis entscheiden, welche der vorgeschlagenen Änderungen in den überarbeiteten Standard einfliessen. 

Die vollständige Auswertung der Rückmeldungen finden Sie hier:  GHG Protocol – Summary of Feedback (PDF) 

Sie haben Fragen zur Scope-2-Bilanzierung in Ihrem Unternehmen? Sprechen Sie uns an. 

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