Ein trockener Sommer kann ein Unternehmen in die Knie zwingen
Stabilität ist keine Selbstverständlichkeit mehr
Im Sommer 2024 überflutete ein Unwetter das Novelis-Aluminiumwerk in Sierre im Wallis. Der Ausfall dieses einen Zulieferers zwang Porsche zu einer Ad-hoc-Meldung an der Börse. Das Unternehmen senkte seine Jahresprognose von 40-42 auf 39-40 Milliarden Euro.ⁱ Richard Baldwin vom IMD Lausanne kommentierte nüchtern: «Porsche hat offenbar nicht darüber nachgedacht, seine Lieferketten zu diversifizieren.»ⁱⁱ
Ein zweites Beispiel: Die Niedrigwasserperioden am Rhein, zuletzt gravierend in den Sommern 2018 und 2022, zwangen Schweizer Industrieunternehmen zu massiven Einschränkungen. Schiffe fuhren zeitweise mit einem Drittel der üblichen Ladung oder fielen ganz aus.ⁱⁱⁱ Für eine Binnenwirtschaft, die stark auf den Rhein als Transportachse angewiesen ist, wird ein trockener Sommer zum Produktionsrisiko.ⁱᵛ
Studien zeigen: Klimabedingte Lieferkettenstörungen könnten bis 2050 einen BIP-Verlust von bis zu 1,5 Prozent pro Dekade verursachen, wenn keine Massnahmen ergriffen werden.ᵛ Bereits heute spüren 67 % der deutschen Transport- und Logistikunternehmen konkrete Auswirkungen des Klimawandels auf ihren Betrieb.ᵛⁱ Für die Schweiz als exportabhängige Volkswirtschaft gilt dasselbe.
Dazu kommt: Geopolitische Instabilität, Sanktionsregime und Zollrisiken können Beschaffungsmärkte über Nacht wegbrechen lassen. Klimarisiken und geopolitische Risiken wirken nicht isoliert. Sie verstärken sich gegenseitig.
Resilienz ist keine Kür mehr. Sie ist Überlebensbedingung. Wer strukturiert handelt, verschafft sich einen echten Wettbewerbsvorteil. Wer wartet, riskiert seine Handlungsfähigkeit.
Was Unternehmensresilienz bedeutet
Resilienz bezeichnet die Fähigkeit einer Organisation, externe Störungen zu absorbieren, sich im laufenden Betrieb anzupassen und gestärkt aus Krisen hervorzugehen. Drei Kapazitäten kennzeichnen ein resilientes Unternehmen:ᵛⁱⁱ
- Absorptive Resilienz: Das Unternehmen widersteht Störungen und dämpft deren Einfluss, etwa durch Sicherheitsbestände, redundante Lieferantenstrukturen oder technische Redundanzen.
- Adaptive Resilienz: Das Unternehmen organisiert sich im laufenden Betrieb neu. Es weicht auf Alternativen aus, aktiviert Backup-Lieferanten und steuert Prozesse flexibel um.
- Restaurative Resilienz: Das Unternehmen stellt nach einem gravierenden Störereignis den Ausgangszustand effizient wieder her, wenn absorptive und adaptive Massnahmen nicht ausreichen.
Resilienz unterscheidet sich von Krisenmanagement und Business Continuity durch ihren proaktiven Ansatz: Sie baut Strukturen auf, bevor die Krise eintritt. Krisenmanagement und Business Continuity ergänzen Resilienz sinnvoll, sind aber breiter angelegt.
Wo Unternehmen ansetzen sollten
Resilienz entsteht nicht durch ein einziges Massnahmenprogramm. Sie wächst aus dem Zusammenspiel struktureller Veränderungen auf drei Ebenen.
Strategische Ebene
- Integrieren Sie klimabedingte Risiken systematisch in Ihre Strategie. Extremwetter verändert die Grundbedingungen ganzer Geschäftsmodelle.
- Prüfen Sie, wo Ihre grössten Konzentrationsrisiken in der Beschaffung liegen. Sanktionen oder geopolitische Verschiebungen können Märkte über Nacht schliessen.
- Bauen Sie Frühwarnsysteme auf und hinterfragen Sie strategische Annahmen regelmässig mit konsequenter «Was-wäre-wenn»-Logik.
Operative Ebene
- Diversifizieren Sie Lieferanten und Beschaffungsregionen. Bauen Sie lokale Alternativen auf.
- Schaffen Sie Transparenz über Tier-1-Lieferanten und die tiefere Lieferkette. Klimarisikoanalysen sind dabei zentral.
- Reduzieren Sie Abhängigkeiten von einzelnen Rohstoffen und Energieträgern. Das senkt die Anfälligkeit für Preisschocks und Lieferausfälle.
- Stärken Sie IT-Infrastrukturen, planen Sie Szenarien und entwickeln Sie flexible Preisstrategien als Gegengewicht zu Volatilität und Cyberangriffen.
Governance und Reporting
- Verankern Sie die Verantwortung für Resilienz im Verwaltungsrat und in der Geschäftsleitung, mit klaren Zuständigkeiten und messbaren Zielen.
- Sorgfalts-, Transparenz- und Berichterstattungspflichten (VSoTr und Art. 964a ff. OR) nicht als Compliance-Übung. Bauen Sie ESG-Daten als echtes Steuerungsinstrument auf.
- Resilienz ist auch eine Frage der Glaubwürdigkeit. Kund:innen, Mitarbeitende und Investoren erwarten sie. Nachhaltigkeitskommunikation und Stakeholder-Engagement gehören deshalb dazu.
Wie ecos Sie begleitet
Wir helfen Schweizer Unternehmen, Risiken zu erkennen, Prioritäten zu setzen und Massnahmen umzusetzen. Dabei steht nicht Compliance im Mittelpunkt, sondern die strategische Frage: Was muss Ihr Unternehmen können, um in einem unsichereren Umfeld langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben?
Je nach Ausgangslage arbeiten wir an unterschiedlichen Einstiegspunkten:
- Resilienzanalyse: Wir analysieren physische und transitorische Klimarisiken (gemäss TCFD) sowie Lieferketten- und Lieferantenrisiken zu Biodiversität, Wasser und sozialen Themen.
- Strategieentwicklung: Wir entwickeln integrierte Nachhaltigkeits- und Resilienzstrategien mit konkreten Massnahmen und Zielen.
- Operative Anpassung: Wir begleiten die Umsetzung, etwa bei der Energietransformation, Produktinnovation oder Standortadaption.
- Organisationale Verankerung: Wir bauen Governance-Strukturen und ESG-Datenmanagementsysteme auf.
Möchten Sie wissen, wie resilient Ihr Unternehmen heute aufgestellt ist? Sprechen Sie uns an.
Quellenangaben: ⁱ ntv.de (2024). Porsche muss seine Jahresprognose wegen Lieferengpässen bei Aluminiumlegierungen senken. https://www.n-tv.de/wirtschaft/Porsche-muss-seine-Jahresprognose-wegen-Lieferengpaessen-bei-Aluminiumlegierungen-senken-article25017494.html · SRF News (2024). Stillstand bei Zulieferer: Walliser Hochwasser wirkt sich auf Autohersteller Porsche aus. https://www.srf.ch/news/dialog/stillstand-bei-zulieferer-walliser-hochwasser-wirkt-sich-auf-autohersteller-porsche-aus · ⁱⁱⁱ Handelszeitung (2022). Wie ein Ausfall der Schifffahrt auf dem Rhein die Schweizer Wirtschaft trifft. https://www.handelszeitung.ch/konjunktur/wie-ein-ausfall-der-schifffahrt-auf-dem-rhein-die-schweizer-wirtschaft-trifft-523328 · ⁱᵛ DW (08.08.2022). Niedrigwasser am Rhein schadet Wirtschaft. https://amp.dw.com/de/trockenheit-niedrigwasser-am-rhein-schadet-wirtschaft/a-62528630 · ᵛ Sun, Y. et al. (2024). Global supply chains amplify economic costs of futre extreme heat rist. Nature, 627-300. https://doi.org/10.1038/s41586-024-07147-z · ᵛⁱ BVL – Bundesvereinigung Logistik (2024). Studie «Klimarisiken und Folgeschäden des Klimawandels 2024». https://www.bvl.de/presse/meldungen/studie-klimarisiken-und-folgeschaeden-des-klimawandels-2024 · ᵛⁱⁱ Biringer, B. E., Matalucci, R. V. & O'Connor, S. L. (2013). Security Risk Assessment and Management: A Professional Practice Guide for Protecting Buildings and Infrastructures. Wiley-EEE Press.