15. September 2026

Klimabedingte Veränderungen in der Schweiz: Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft

Auswirkungen, die bereits heute spürbar sind 

Die Schweiz zählt zu den Regionen, in denen die Folgen des Klimawandels besonders ausgeprägt sind. Im Alpenraum ist die Erwärmung seit dem späten 19. Jahrhundert im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt rund doppelt so stark angestiegen. Die Veränderungen zeigen sich in verschiedenen Lebens- und Wirtschaftsbereichen. [1] 

Schmelzende Gletscher und abnehmende Schneespeicher verringern die saisonalen Wasserreserven und verändern die Wasserverfügbarkeit mit direkten Auswirkungen unter anderem auf Wasserkraft, Wasserversorgung und weitere wasserabhängige Nutzungen. [2] Anhaltende Trockenheit trieb Futtermittelpreise und Betriebskosten in der Landwirtschaft in die Höhe. Starkregenereignisse im Tessin unterbrachen in diesem Sommer regional Transportketten und beeinträchtigten damit Lieferzusagen.  

Der Sommer 2026 ist kein Einzelereignis. Klimabedingte Veränderungen wirken sich zunehmend auf Standorte, Infrastrukturen, Lieferketten und Kosten aus. [3] Der Rhein zeigte besonders deutlich, wie daraus ein konkretes Geschäftsrisiko entstehen kann. 

Niedrigwasser am Rhein: ein Geschäftsrisiko für Schweizer Unternehmen 

Wie das Bundesamt für Umwelt (BAFU) dokumentiert, verzeichnete rund ein Fünftel aller Schweizer Messstationen im Sommer 2026 neue Niedrigwasserrekorde. Anfang August 2026 wurden an mehreren Rheinpegeln Tiefststände gemessen, wie sie seit Messbeginn 1880 nicht erreicht wurden. [4] 

Über die Häfen in Basel, Muttenz und Birsfelden laufen jährlich knapp vier Millionen Tonnen Güter in die Schweiz – Mineralölprodukte, Industrierohstoffe, Agrarstoffe. Bei Niedrigwasser wie in den letzten Wochenkönnen Frachtschiffe durchschnittlich nur noch rund 40 Prozent ihrer üblichen Ladung aufnehmen. Das Resultat: ein Vielfaches an Fahrten oder der Umstieg auf Strasse und Schiene, die meist teurer und kapazitärbegrenzt sind. [5,6] 

Die Folgen reichen von höheren Beschaffungskosten bis zu Produktions- und Lieferengpässen. Rohstoff- und Zwischenproduktpreise steigen, Lieferzeiten verlängern sich, Produktionspläne geraten unter Druck. In besonders kritischen Fällen müssen Unternehmen ihre Fertigung drosseln oder vorübergehend unterbrechen. Die wirtschaftlichen Schäden früherer Niedrigwasserperioden belegen das Ausmass: 2018 musste BASF eine Ergebnisbelastung von 200 bis 250 Millionen Euro verbuchen – allein durch den Ausfall des Rheinwegs, über den das Unternehmen rund 40 Prozent seiner Rohstoffe bezog. [7] 2022 traf das Niedrigwasser auf bereits angespannte Lieferketten und Energiepreise auf Höchstständen. Die Überlagerung beider Effekte hat viele Unternehmen empfindlich getroffen. [8] 

Für Unternehmen entsteht damit ein doppeltes Risiko: Sie müssen höhere Kosten bewältigen und gleichzeitig mit einer möglicherweise sinkenden Nachfrage sowie zunehmendem Wettbewerbsdruck umgehen. Wenn Transporte dauerhaft teurer und weniger planbar werden, kann das die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Unternehmen in Asien und Nordamerika weiter schwächen. [3] 

Klimarisiken als Bestandteil der Unternehmenssteuerung 

Die Pegelstände werden wieder steigen. Das strukturelle Risiko für Unternehmen bleibt jedoch bestehen. Auf ausgeprägte Niedrigwasserperioden können Hochwasser, Starkregen und weitere Extremereignisse folgen, die Produktionsstandorte, Lager, Verkehrswege und kritische Infrastrukturen beeinträchtigen. [9]  

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wie ein Unternehmen auf das aktuelle Ereignis reagiert. Es muss vielmehr bewerten, wie robust das eigene Geschäftsmodell gegenüber wiederkehrenden und sich verstärkenden Klimaereignissen ist und welche konkreten Auswirkungen diese auf Vermögenswerte, Prozesse, Lieferketten und Märkte haben. 

Viele Unternehmen haben diese Frage bislang nicht systematisch beantwortet. Dabei geht es nicht um eine allgemeine Betrachtung des Klimawandels, sondern um konkrete, unternehmensspezifische Erkenntnisse als Grundlage für Entscheidungen. 

Unser Beratungsangebot Klimarisikoanalyse und -management schafft diese Grundlage. Wir arbeiten in drei aufeinander aufbauenden Schritten: 

Physische Szenarioanalyse Wir ermitteln, welche klimabedingten Risiken Ihr Unternehmen konkret betreffen: von unterbrochenen Transportwegen und Produktionsausfällen an exponierten Standorten bis hin zu Wasserknappheit in der Lieferkette. Die Analyse verknüpft Klimamodelle mit Ihren spezifischen Standort-, Asset- und Prozessdaten. 

Transitorische Szenarioanalyse Parallel erfassen wir, welche Risiken und Chancen durch die Dekarbonisierung entstehen. Dabei beziehen wir veränderte regulatorische Anforderungen, neue Technologien und verschobene Marktbedingungen mit ein. Für Schweizer Unternehmen, die zunehmend mit EU-Anforderungen konfrontiert sind, gewinnt diese Perspektive besonders an Bedeutung. 

Integration ins Risikomanagement Die Ergebnisse verankern wir dauerhaft in der Unternehmenssteuerung, mit klaren Verantwortlichkeiten, definierten Prozessen und einer priorisierten Massnahmen-Roadmap. Das schafft eine belastbare Grundlage für: 

  • Standort- und Investitionsentscheidungen: Bewertung von Klimarisiken bei der Standortwahl und Kapitalallokation 
  • Lieferkettenstrategie: Identifikation von Schwachstellen und Entwicklung von Alternativen 
  • Business-Continuity-Planung: Vorbereitung auf klimabedingte Störungen 
  • Anpassungsmassnahmen: Priorisierung nach Risikoreduktion, Kosten-Nutzen-Verhältnis und Umsetzbarkeit 
  • Versicherungs- und Finanzierungsentscheidungen: Optimierung von Risikoabsicherung und Kapitalkosten 
  • Reporting und Stakeholder-Kommunikation: Integration in Steuerungsinstrumente und Berichterstattung 

Die Analyse zeigt ausserdem Chancen, die in der Transformation liegen: effizientere Prozesse, resilientere Lieferketten, neue Finanzierungsoptionen und nachhaltige Geschäftsmodelle. 

Resilienz beginnt mit belastbaren Entscheidungen 

Das Rekord-Niedrigwasser 2026 macht sichtbar, was Schweizer Unternehmen künftig häufiger beschäftigen wird: Klimarisiken wirken sich unmittelbar auf Kosten, Prozesse und Geschäftsmodelle aus. Unternehmen, die ihre Abhängigkeiten frühzeitig analysieren, können kritische Schwachstellen erkennen und ihre Handlungsfähigkeit sichern. Dazu gehört, Klimarisiken nicht erst im Krisenfall zu adressieren, sondern sie in Investitionsentscheidungen, Lieferkettenmanagement und die operative Unternehmenssteuerung zu integrieren. 

Eine systematische Klimarisikoanalyse schafft dafür die notwendige Grundlage. So wird aus der Reaktion auf ein Extremwetterereignis ein vorausschauender Ansatz für Zukunftsfähigkeit und Resilienz. 

Sprechen Sie Lea Naon an. → 

 

Quellen:

[1] Bundesamt für Umwelt (o. D.): Klimawandel. Online verfügbar unter: https://www.bafu.admin.ch/de/naturgefahren-klimawandel (abgerufen am 14.09.2026).  

[2] MeteoSchweiz (2026, August): Extremste Sommertrockenheit seit Messbeginn. Online verfügbar unter: https://www.meteoschweiz.admin.ch/ueber-uns/meteoschweiz-blog/de/2026/08/extremste-sommertrockenheit-seit-messbeginn.html (abgerufen am 06.08.2026).  

[3] Süddeutsche Zeitung (2026, 5. August): Ökonomen befürchten höhere Inflation durch Niedrigwasser. Online verfügbar unter: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hitze-trockenheit-niedrigwasser-inflation-wirtschaft-rhein-li.3526959 (abgerufen am 06.08.2026).  

[4] Bundesamt für Umwelt (2026, 8. September): Sommer 2026: Trockenheit und hohe Waldbrandgefahr. Online verfügbar unter: https://www.bafu.admin.ch/de/sommer-2026-trockenheit-und-hohe-wassertemperaturen (abgerufen am 14.09.2026).  

[5] Steiger, J. (2026, 10. August): Rhein-Niedrigwasser könnte Güterverkehr in die Schweiz unterbrechen. 20 Minuten. Online verfügbar unter: https://www.20min.ch/story/rhein-niedrigwasser-koennte-gueterverkehr-in-die-schweiz-unterbrechen-103615411 (abgerufen am 10.08.2026).  

[6] Schweizerische Rheinhäfen (2026, 2. März): Umschlagszahlen 2025: Weniger Energieimport – Containerverkehr auf Wachstumskurs. Online verfügbar unter: https://port-of-switzerland.ch/umschlagszahlen-2025-weniger-energieimport-containerverkehr-auf-wachstumskurs/ (abgerufen am 14.09.2026).  

[7] BASF SE: BASF-Bericht 2018: Ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Leistung. Online verfügbar unter: https://www.basf.com/dam/jcr:d85db150-9ae1-3d29-b13f-bda7cfbf0c31/BASF_Bericht_2018.pdf (abgerufen am 07.08.2026).  

[8] Schweizerische Rheinhäfen (2022, 30. November): Umschlagsstatistik 3. Quartal 2022: Niedrigwasser im Sommer hinterlässt Spuren. Online verfügbar unter: https://port-of-switzerland.ch/umschlagsstatistik-3-quartal-2022-niedrigwasser-im-sommer-hinterlaesst-spuren/(abgerufen am 14.09.2026).  

[9] Bundesamt für Umwelt (o. D.): Gewässer im Klimawandel. Online verfügbar unter: https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wasser/gewaesser-im-klimawandel.html (abgerufen am 10.08.2026). 

 

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